Beitritt Steinwiesens zur "Allianz gegen Rechtsextremismus"
- Bürgermeister weiß sich nicht anders gegen unliebsame
Wahlergebnisse zu helfen
Am
vergangenen Dienstag, den 31. März 2009 wurde im Markt Steinwiesen
(Landkreis Kronach) zu einer öffentlichen Gemeinderatssitzung
geladen. Neben Punkten, die den Finanzhaushalt der Gemeinde sowie
Beschlußfassungen hinsichtlich Fußgängerüberwegen,
DSL-Nutzung und Dorfverschönerungszuschüssen betrafen, stand
auch der Beitritt des Marktes zur "Allianz gegen Rechtsextremismus"
auf der Tagesordnung. Dies nahm die Führung des NPD-Kreisverbandes
Lichtenfels/Kronach zum Anlaß, den Gemeinderäten von Steinwiesen
einen kleinen Besuch abzustatten. Bereits kurz nach dem Betreten des
Sitzungssaales wurde bei einigen Mandatsträgern das innere Kind
aktiv und man begann mit einem "Stille-Post-Spiel", da der
Geschäftsleiter der Marktgemeinde und Kronacher Stadtrat Joachim
Doppel (CSU) den NPD-Kreisvorsitzenden Kai Limmer aus Kronach sofort
erkannte und diese Erkenntnis natürlich nicht für sich behalten
wollte.
Etwa eine Stunde nach Beginn der Gemeinderatssitzung war es dann soweit
und Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU) konnte sich seinem derzeitigen
Lieblingsthema widmen, dem K(r)ampf gegen Rechts. Als Grund für
den sofortigen Beitritt Steinwiesens zur neuen sogenannten "Allianz
gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg"
wurde natürlich das NPD-Landtagswahlergebnis im Ortsteil Birnbaum
(12,5 Prozent) genannt, das schon kurz nach der Wahl bei den Sozialdemokraten
der Marktgemeinde bittere Tränen und Bestürzung ausgelöst
hatte. Als weiterer Grund für den Beitritt mußte ein erst
kürzlich in der Kommune verteiltes Flugblatt der Nationaldemokraten
herhalten, welches den Einwohnern die antidemokratische Grundhaltung
der Steinwiesener "Gutmenschen" offenbarte und für
den Bürgermeister gar eine Drohung darstellte.
Schließlich wurde der Antrag von allen Fraktionen und Gemeinderatsmitgliedern
abgenickt, was den Bürgermeister dann doch wieder fröhlich
stimmte. Zum Glück wußte er nicht, daß sich einer
seiner Parteifreunde vor einiger Zeit auf einer privaten Feier noch
ganz anders zu dieser Thematik geäußert hatte. Die anwesende
"Bedrohung" wußte es, behielt es allerdings für
sich.
Steinwiesen sei ein Luftkur- und Erholungsort, bei Bekanntwerden von
'braunen Umtrieben' innerhalb der Gemeinde wären negative Auswirkungen
auf den dringend benötigten Tourismus die Folge, so Wunder. Ähnliche
Sätze konnte man in Deutschland schon einmal hören - und
zwar vor, während und nach dem Einzug der NPD in die Landtage
von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings ist dort ein solches
"Schreckensszenario" nie eingetreten. In Sachsen stiegen
die Touristenzahlen nach dem Landtagseinzug der NPD sogar an.
Der Beitritt zur Anti-Rechts-Kampagne soll laut Wunder nicht nur als
"gesetztes Zeichen" gelten, sondern innerhalb der Gemeinde
auch gelebt werden. So kündigte er zum Beispiel öffentliche
Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen an, wobei er anscheinend
vergaß, daß sich dort auch nationale Deutsche zu Wort
melden könnten. Wohl an der eigenen Kompetenz zweifelnd, richtete
Wunder das Augenmerk auf "geschultes Personal", welches
hierzu eigens eingeladen werden sollte. Weiterhin appellierte der
Bürgermeister an die Vereine, die, sollten sie unliebsames Gedankengut
unter ihren Mitgliedern feststellen, einzuschreiten hätten. Vereinsverbot?
Auch die Betriebsinhaber in der Gemeinde sollten ein wachsames Auge
auf eventuell "rechts angehauchtes" Personal haben und derartige
Regungen - natürlich zum Wohle der eigenen Firma - im Keim ersticken.
Berufsverbot?
Weiterhin müßten auch die Schulen und Kindergärten
in dieselbe Kerbe schlagen. Als kurz vor der Abstimmung des Antrages
ein Vertreter der SPD Adolf Hitler und das Dritte Reich ansprach,
welches sich nach dessen Worten nie mehr wiederholen dürfe, hätte
jedem anwesenden Kommunalpolitiker ein Licht aufgehen müssen.
Die Nationalsozialisten von damals lehrten doch auch schon Kindern
den Weg, den sie einzuschlagen hätten. Politische Gegner wurden
damals doch auch im Berufsleben geächtet und wegen ihrer Meinung
entlassen. Wiederholt sich hier die Geschichte, nur unter anderem
Vorzeichen? Werden die Grundrechte eines jeden Deutschen zu eigenen
Gunsten verdreht? Die Zukunft wird es zeigen.
Die örtliche NPD jedenfalls sieht den Beitritt Steinwiesens zur
"großen Armee der zukünftigen Verlierer" nicht
als starkes Zeichen gegen Rechts an, sondern vielmehr als Bestätigung
ihrer intensiven politischen Aufklärungsarbeit in der Gemeinde,
die natürlich in nächster Zeit weitergeführt werden
wird, ob es den "Demokraturisten" im Markt nun paßt
oder nicht.