Einsparung von Personalkosten
Die
Rechtsaufsicht scheint in Anbetracht der katastrophalen Haushaltspolitik
der Stadt Wunsiedel bereits in Alarmbereitschaft versetzt zu sein.
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann erste rechtsaufsichtliche
Maßnahmen gegen die Stadt ergriffen werden müssen. Wohin
der Mißbrauch des kommunalen Selbstverwaltungsrechts führen
kann, zeigt sich in Wunsiedel derzeit mehr als eindrucksvoll.
Unterdessen ist man sich im Stadtrat sehr wohl darüber im Klaren,
welchen Eindruck die aktuelle Haushaltsdebatte bei der Bevölkerung
Wunsiedels hinterlässt - nicht umsonst werden heikle Themen,
wie das der Einsparung von Personalkosten, hinter verschlossenen Türen
behandelt.
Es entbehrt nicht einer gewissen Komik und Tragik zugleich, daß
der Erste Bürgermeister Karl-Willi Beck nun die bei der Stadt
Wunsiedel beschäftigten Reinigungskräfte als Sündenböcke
seiner Schuldenpolitik auserkoren hat. Würde man diesen Aufgabenbereich,
das heißt die Reinigung der stadteigenen Gebäude, privatisieren,
so hätte das für die oben genannten Bediensteten die unverschuldete
Arbeitslosigkeit zur Folge. Überflüssig ist es darauf hinzuweisen,
daß die Einkünfte dieser Putzfrauen ohnehin eher bescheiden
ausfallen dürften.
Ob die Besoldung des Herrn Beck hingegen leistungsgerecht erfolgt,
darf angesichts seiner verantwortungslosen Ausgabenpolitik durchaus
bezweifelt werden. Diesbezüglich sollte von den oppositionellen
Stadtratsfraktionen - sofern noch nicht geschehen - einmal darauf
hingewirkt werden, einen äußerst interessanter Aspekt zum
Tagesordnungspunkt zu erheben: den Zusammenhang zwischen dem Einkommen
des Ersten Bürgermeisters und der Bevölkerungsgröße
der Stadt Wunsiedel. So wird von der Stadt Wunsiedel, insbesondere
ihrem Einwohnermeldeamt, seit Jahren ein Kampf gegen das Absinken
der Bevölkerungsanzahl auf unter 10.000 Einwohner geführt,
der von einer scheinbar unverständlichen Absicht getragen wird.
Für den gemeinen Bürger ist es zwar unerheblich, ob in Wunsiedel
9.999 oder 10.001 Menschen leben - für Karl-Willi Beck entscheidet
sich jedoch an dieser Frage die Zugehörigkeit zu einer höheren
oder niedrigeren Besoldungsgruppe. Diese unterschiedliche Besoldungshöhe
hat auf das Grundgehalt des Ersten Bürgermeisters einen Einfluss
von mehreren Hundert Euro, deren Ausbleiben am Ende des Monats für
Herrn Beck aber mit Sicherheit verschmerzbarer wäre als ein Arbeitsplatzverlust
für die städtischen Reinigungskräfte verkraftbar wäre.
Das Einwohnermeldeamt der Stadt Wunsiedel ist jedenfalls in jüngster
Vergangenheit - wohl unter der Regie des Ersten Bürgermeisters
- sehr darum bemüht gewesen, auch Personen einen Erstwohnsitz
in Wunsiedel schmackhaft zu machen, die den Großteil der Woche
überhaupt nicht in Wunsiedel verbringen. Faktisch dürfte
Wunsiedel seit langem keine 10.000 Einwohner mehr haben - offiziell
wurde dies erst im letzten Jahr bekannt. Obwohl die materiellrechtlichen
Voraussetzungen vermutlich schon seit Jahren nicht mehr vorlagen,
hat sich an dieser Besoldungspraxis zumindest bis vor kurzem nichts
geändert.
Wenn es darum geht, zur Sanierung der Stadtkasse Personalkosten einzusparen,
sollte also Herr Beck zunächst einmal bei sich selbst anfangen.