Neue Polit-Mode im Landkreis Kronach: Beitritt zu Anti-Rechts-Bündnissen
Vor
ein paar Jahren fing es an. Die Nationaldemokraten im Landkreis Kronach
verließen die Hinterzimmer und eroberten die Straßen und
Plätze. Durch Flugblattverteilungen, Infostände, Mahnwachen
und Kundgebungen brachten sie ihre politischen Ziele, Forderungen
und Aussagen der Bevölkerung näher und drangen langsam aber
sicher in die Mitte des Volkes vor, was anhand überdurchschnittlicher
Wahlergebnisse sehr deutlich wurde.
Natürlich
rief dies, wie in anderen Städten Oberfrankens, man denke nur
an Wunsiedel und Gräfenberg, die örtliche "Gutmenschenriege"
auf den Plan. Bündnisse für Toleranz und Vielfalt, gegen
Extremismus und rechte Gewalt wurden gegründet. Diese schossen
sprichwörtlich wie Pilze aus dem Boden und brachten, außer
einer Selbstdarstellungsplattform für "betroffene"
Kommunalpolitiker, nichts als heiße Luft. Das Bündnis "Kronach
ist bunt" schaffte es immerhin unter Mithilfe von Kindergartenkindern,
Transparente zu malen und ein buntes Seil (ausdrücklich ohne
braune Fäden!) zu spinnen. Davon verschwindet jedoch keine mißliebige
Oppositionspartei, aber jeder sollte sich schließlich mit dem
beschäftigen, was er am besten kann.
Solche "Zirkusnummern" waren bis vor kurzem ein Phänomen
in den Städten gewesen, nun treten auch immer mehr Gemeinden
derartigen Bündnissen bei. Die Marktgemeinde Steinwiesen (Landkreis
Kronach) schloß sich Anfang des Jahres der sogenannten Allianz
gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg an. Grund
hierfür war ein NPD-Wahlergebnis von 12,5 Prozent im Ortsteil
Birnbaum zur letzten Landtagswahl gewesen. Daraufhin führte die
NPD einen Infostand mit Lautsprecherdurchsagen in Steinwiesen durch,
um die Bürger hinsichtlich dieser Thematik aufzuklären,
was die selbsternannten "Gralshüter der Demokratie"
zur Veranstaltung einer Gegendemo veranlaßte.
Der Kreisvorsitzende der Kronacher Nationaldemokraten fragte in seinen
Ausführungen mehrmals nach dem Grund des plötzlichen Beitritts
Steinwiesens zur Anti-Rechts-Allianz, da politisch motivierte Gewalt
in der Gemeinde fremd ist und verwies auf den Ort Grössau (Markt
Pressig), dessen Einwohner bei der Bundestagswahl 2005 zu fast 18
Prozent der NPD ihre Stimme gaben, was auch kein kommunalpolitisches
"Armageddon" nach sich zog. "Pressig akzeptierte eben
das Votum der Bürger!", so NPD-Vorsitzender Kai Limmer in
seiner Ansprache.
Bis zu einer Gemeinderatssitzung am Montag, den 8. Juni 2009 behielt
jene Aussage immerhin ihre Gültigkeit. Nun ist auch Pressig ohne
jeglichen Grund dem Bündnis "Kronach ist bunt" beigetreten.
Im Gegensatz zu Steinwiesen übten sich die Räte aber nicht
in wortlosem Abnicken des Antrages des Bürgermeisters, sondern
stellten auch die Frage, was nach einem Beitritt zum Bündnis
geschehen wird. Darauf wußte der Antragsteller keine Antwort.
Trotz fehlender entsprechender Informationen wurde der Beitritt letztlich
bewilligt, doch erstaunlicherweise nicht einstimmig, da es ein Gremiumsmitglied
wagte, gegen diesen Antrag die Stimme zu erheben. Martin Welscher
von der Fraktion der Freien Wähler behielt als einziger Rückgrat
und verweigerte seine Zustimmung.
Es
gibt vereinzelt also doch noch kommunale Mandatsträger, die nicht
blindlings mit dem Strom schwimmen oder ihr Fähnchen nach dem
Wind richten, sondern auf eine eigene Meinung bestehen. Ob dieser
"Eklat" nun negative Auswirkungen oder eine Ächtung
für Herrn Welscher nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten.
Zumindest verdient Welschers anständiges Verhalten in diesem
Fall die Hochachtung des NPD-Kreisvorstandes.